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Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 4

Beitrag 4 – Asiaten dominieren Lithium-Ionen Batterietechnik

Wieder könnte unsere derzeitige Beitragsreihe nicht aktueller und treffender durch einen Artikel aus dem Handelsblatt vom 28.12.2018, unterstützt werden. Die Überschrift lautet:

Für die Autoindustrie wird 2019 das Jahr des Antriebswechsels

„…in der Autoindustrie geht der letzte Boom des Verbrennungsmotors zu Ende. Ab jetzt wird sich zeigen, wer wirklich für die Zukunft gerüstet ist…“

Asiatische Hersteller von Lithium-Ionen Batterien, -Module und -Pack dominieren mit über 75% Marktanteil in den Produktionskapazitäten:

Den weltweit rapide steigenden Bedarf nach Antriebsakkus für PKW decken aktuell Produktionskapazitäten von Herstellern aus China zu einem Drittel, Japan ein gutes Viertel und Korea zu ca. 13% (siehe nachfolgendes Bild).

Europäische Hersteller spielen eine untergeordnete Rolle, wohingegen sich die USA derzeit ca. ein Fünftel des Kuchens gesichert haben.

Quelle: Berylls, März 2018

Aktuell bereits im Betrieb oder Bau (circa 40 Fabriken, nahezu alle in Asien) befindliche, und bis 2020 zur Fertigstellung geplante Produktionskapazitäten werden 2020 mehr als 85% der Batteriezellen in China und den USA herstellen. Korea und Japan verlieren an Bedeutung (siehe nachfolgendes Bild).

Quelle: Berylls, März 2018

Bis 2025 wird sich dieser Anteil auf unter 80% reduzieren, da in der Zwischenzeit einige Produktionsstätten in Europa ihren Betrieb zur Massenproduktion aufgenommen haben werden. Der europäische Anteil wird dann auf ca. 15% steigen (siehe nachfolgende Bilder).

Quelle: Berylls, März 2018

Quelle: VDMA, Quartal 3/2018

Parallel zu dieser Entwicklung in der Lithium-Ionen Technologie wird sich die Batterietechnologie anpassen und verändern. Lithium-Luft, Lithium-Polymer und Feststoff Batterien werden in den PKW Anwendungen zum Tragen kommen.

Marktkonsolidierung im Batterie Pack Bereich in den kommenden Jahren zu erwarten

Im Wettbewerb wird es zwischen den vorhandenen Produktionskapazitäten und der nachgefragten Abnahmemenge auch in 2025 noch ein Überangebot an Batterie Pack geben. Die Experten von Berylls gehen langfristig davon aus, dass das Überangebot bei den globalen Batteriefertigungskapazitäten bei 30% liegt (bezogen auf die produzierte Speicherkapazität, nicht auf die Stückzahl der Zellen). Ein Preisverfall und eine Konsolidierung auf der Herstellerseite sind die Folge (siehe nachfolgendes Bild).

Quelle: Berylls, März 2018

Bereits etablierte Hersteller (CATL, LG, Panasonic, Samsung, BYD, etc.) kämpfen um ihre Vormachtstellung durch Technologie- und Skaleneffekte. Neue Anbieter, darunter auch PKW Hersteller und Zulieferer, drängen in den Markt. Stimuliert auch durch Subventionsanstrengungen regionaler Regierungen, wie z.B. der EU. Bedingt durch die Subventionsmodalitäten werden strategische Partnerschaften entstehen. Beispielhaft seien genannt: Northvolt in Schweden, Ford und Varta in Deutschland oder auch aktuellen Meldungen zufolge aus der VW Gruppe und/oder gemeinsam mit Ford. Spekulationen machen die Runde über ein Zusammenrücken von BMW und Daimler bei sogenannten „nicht markenprägenden Komponenten“ für die zukünftigen Elektro Automobile.

Schon heute sind weltweit Batterie Pack Werke nicht optimal ausgelastet, was den wirtschaftlichen Erfolg mindert. Es wird daher erwartet, dass bis 2020 allein in China ein Großteil der Anbieter wieder aus dem Markt verschwindet. Parallel zum Wettbewerbsdruck im Heimatmarkt China werden einige der lokalen Hersteller den Sprung nach Europa und USA wagen, und dort die heimischen Batterieproduzenten verdrängen. Ein ähnliches Szenario wie Anfang der 2010er Jahre im Bereich der Photovoltaik.

Alternativen zum PKW-Erstausrüstergeschäft

Batterie Pack Hersteller sollten sich frühzeitig um alternative Geschäftsmodelle bemühen. Denn nach 7-9 Jahren erscheint eine Zweitverwendung der Antriebsakkus sinnvoll. Berylls hat ermittelt, dass bei der derzeit erwarteten Marktpenetration mit EV Fahrzeugen bis 2030, ab 2032 eine Batteriekapazität von mindestens 1.522 GWh an Gebraucht Akkus anfällt (siehe nachfolgendes Bild).

Quelle: Berylls, März 2018

Fazit:

Erfahrung ist bekanntlich die Summe aller Fehler, die man bereits begangen hat!
Arthur Wellesley, Herzog von Wellington

Die Diskussionen und Bestrebungen in der EU zum Aufbau einer Batterie-, -modul- und -pack Entwicklungs- und -herstellungskompetenz sind wichtig und richtig.

Zwei Fehler in der jüngeren Vergangenheit sollten den europäischen Herstellern als auch den politisch Verantwortlichen eine Lehre sein.
Die Entwicklung in der Photovoltaik und bei den Windkraftanlagen, sowie erkennbare Tendenzen in der Robotik (Beispiel KUKA). Die selbe (Fehl-)Entwicklung in der Elektronik, Mikroelektronik, Display- und Leiterplatten Technologie einige Jahre vorher, möchte ich hier nicht weiter bemühen. Alles wichtige Technologien in der E-Mobility und dem autonomen Fahren.

In den BEV sind der Energiespeicher in Verbindung mit neuen Elektromotoren, sowie deren Steuerung und Regelung, die Schlüsseltechnologien der Elektro Mobilität. Um Verbrauch und Reichweite stetig zu maximieren gilt es diese beiden Kernkomponenten zu beherrschen und ständig kleiner, leichter und damit wettbewerbsfähiger zu entwickeln. Damit die Energie- und Kosteneffizienz, neben Sicherheit und Zuverlässigkeit, immer ein Maximum erreicht. Und der Elektromobilität folgt das autonome Fahren.

Die heute weltweit führende Position der deutschen Hersteller in der Automobilindustrie, wie auch im klassischen Maschinen- und Anlagenbau, gehen auf die ganzheitliche Beherrschung der jeweiligen Kerntechnologien und -prozesse (von der Entwicklung über Beschaffung bis hin zur Produktion) zurück. In einem eng verwobenen, internationalen Netzwerk mit hoch entwickelten Systempartnern.

Vorschau:

In rund 2 Wochen erscheint der Beitrag:
„Quo Vadis EU – Initiativen zum Aufbau von Batteriekompetenz in Europa“.

Freue mich auf einen weiterhin konstruktiv kritischen Austausch, mit praktikablen, ganz pragmatischen Handlungsansätzen als Ergebnis. Die individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein müssen.

Wünsche Ihnen für 2019 alles Gute, viel Optimismus, Zuversicht, Mut und Kraft für die bevorstehenden Herausforderungen, sowie immer das nötige Quäntchen Glück, damit das vor uns liegende Jahr wieder ein erfolgreiches wird.

Ihr
Eckhard Hörner-Marass
2H.IM Executive Interim Management GmbH

Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 3

Beitrag 3 – Dieselkrise und die Beschleunigung der E-Mobility

Einstimmen möchte ich wiederum mit einem Beitrag aus dem Handelsblatt vom 18.12.2018 unter der Überschrift:

Die neuen CO2-Vorgaben sind die letzte Chance für die Autobauer

„…Die Autohersteller halten sich mit Kritik an den EU-Vorgaben auffällig zurück. Sie wollen sich der neuen Realität stellen – VW verschärft bereits den Umbau. Autokonzerne müssen jetzt neu planen…“

Der Beschleunigungsprozess in der E-Mobilität durch die Dieselkrise begründet sich im Wesentlichen wie folgt:

1) Nach dem offiziellen Bekanntwerden der Manipulationen der Abgaswerte durch VW Ende 2015 ist der (altbekannte) Hauptschuldige für die Stickoxid Emissionen in Deutschland schnell nochmals bestätigt.

Der Verkehr trägt einen Anteil von nahezu 40% bei (siehe nachfolgendes Bild).

2) Diese auf der Pariser Klimakonferenz 2015 bereits bekannte Tatsache wird durch die Abgasmanipulationen nochmals verstärkt. Insbesondere der Diesel Motor rückt in ein negatives Licht, wodurch sich der Handlungsdruck auf die Automobilhersteller massiv erhöht.

Die deutschen Premium Marken Hersteller trifft es besonders hart. Sowohl durch den hohen Flottenanteil von großvolumigen SUV, als auch den dort verbauten Dieselmotor ist der Flottenverbrauch zwischenzeitlich eher noch gestiegen, als dass er sich entsprechend den EU Vorgaben und der eigenen Ziele reduziert hätte.

Lange wird das Bild geprägt von versuchten Dementi, grotesken Pro-Diesel Kampagnen und damit ein hilfloses Klammern an eine alte Technologie. Mit der Absicht, die vorhandenen Produktionsstätten bei den OEM und deren Zulieferern so lange wie möglich auszulasten.

Die deutschen Hersteller verschwenden sehr lange wertvolle Ressourcen wie Personal und Kapital. Der Diesel verliert stetig  Marktanteile und fällt in Deutschland bei den Neuzulassungen von über 50% im November 2015 auf mittlerweile unter 30% im September 2018 (siehe nachfolgendes Bild).

Elon Musk und die chinesischen Hersteller von EV Fahrzeugen setzen in der selben Zeitspanne alle ihre wertvollen Ressourcen zur Lösung ihrer Start-up Probleme ein. Um die neue Antriebstechnologie (BEV und PHEV/HEV) rasch tauglich zu machen für die Massenproduktion.

Zur Unterstützung werben sie erfahrene PKW Experten überwiegend von den deutschen Premium Herstellern ab. In engem Schulterschluss mit den für die Elektro Mobilität erforderlichen neuen Schlüssellieferanten aus Asien. Durch massive Investitionen in die Herstellung von Batteriezellen, -modulen und ganzen Batterie Pack Systeme konnten sich diese für die OEM unterdessen unentbehrlich machen.

3) Der politische Druck in Deutschland steigt in den vergangenen Jahren massiv.

Die Bundesregierung muss sich zum einen eingestehen, dass die selbst gesteckten CO2 Ziele 2020 nicht erreicht werden können. Dies wird sowohl in den europäischen „Brown to Green Reports“ der international anerkannten Organisation Climate Transparency, als auch in den „Klimaschutzberichten“ des BMU der Jahre 2017 und 2018 bestätigt.

Zum anderen wird in den Ergebnissen der Landtagswahlen in Bayern und Hessen immer stärker die umweltbewußtere Einstellung der Bevölkerung und deren Erwartungen im Hinblick auf die zukünftige Mobilität deutlich. Insbesondere in den Ballungsgebieten.

Die Entwicklungen bei der Einschränkung, respektive  dem Verbot von Diesel PKW in deutschen Städten, haben den Druck auf die Politik nochmals massiv erhöht. Bestätigt und legitimiert durch jüngste Gerichtsurteile zur Einhaltung der EU weit gültigen Luftreinhaltungsgesetzte (siehe nachfolgendes Bild).
4) Eine Befragung von über 1000 Autofahrern ab 18 Jahren in Deutschland im März 2018 mit der Frage: „Hat der Diesel noch eine Zukunft“, ergibt nachfolgendes Bild:

  • 50% würden beim nächsten Kauf einen Benziner wählen.
  • 20% einen Hybrid- (PHEV/HEV) oder rein Batterie (BEV) betriebenen PKW.
  • 13% nur noch einen PKW mit Diesel Motor.

5) VW als Auslöser des Dieselskandal verschärft den Umbau.

Der VW Vorstand hat vor wenigen Tagen bestätigt, dass im Jahr 2026 letztmalig ein Verbrennungsmotor entwicklungstechnisch überarbeitet werden wird. Man darf sich die Frage stellen, wie sich ein Verbraucher beim Autokauf verhält, wenn man ihm eine „alte Technologie“ verkaufen möchte, die vom Hersteller ausdrücklich langfristig nicht mehr weiter gepflegt werden wird?

Der VW Vorstandsvorsitzende ergänzt, dass man aufgrund der nunmehr nochmals verschärften Vorgaben der EU Kommission bzgl der angestrebten Emmissionsreduktion bis 2030 „…der Anteil von Elektroautos auf über 40 Prozent steigen müsse. Möglicherweise müssten weitere Verbrenner-Angebote entfallen, damit verbunden die Werksstrukturen deutlicher umgebaut und zusätzliche Batteriezellfabriken gebaut werden…“.

Bis zum Jahr 2025 müsse VW über 20 elektrifizierte Modelle im Portfolio haben, und im Rahmen dieser Modelloffensive noch massiver als heute auf modulare Baukastenstrukturen und damit verbundene Marken übergreifende Synergien und Skaleneffekte setzen.

Fazit:
Zur Aufholjagd ist geblasen, jetzt heißt es „just do it“ und zwar konsequent und schnell!

Sollte die Dieselkrise die deutschen OEM aus ihrer Komfortzone herausgeholt, ihnen die Augen für die Zeitenwende in der individuellen Mobilität endgültig geöffnet, und die damit dringend verbundenen Transformationsmaßnahmen im internationalen Wettbewerb aufgezeigt haben, dann ist dies das Positive für den Standort Deutschland und die Arbeitsplätze die an dieser Schlüsselindustrie in unserem Lande hängen!

Gemäß dem griechischen Sprichwort:
„Es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist.“

Vorschau:
In rund 2 Wochen erscheint der Beitrag:
„Asiaten dominieren Lithium-Ionen Batterietechnik.“

Freue mich auf einen weiterhin konstruktiv kritischen Austausch, mit praktikablen, ganz pragmatischen Handlungsansätzen als Ergebnis. Die individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein müssen.

Wünsche Ihnen ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familie, ein paar ruhige und erholsame Tage zwischen den Jahren, sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019.

Ihr,
Eckhard Hörner-Marass
2H.IM Executive Interim Management GmbH