Archiv der Kategorie: Internationalisierung

Internationaler Durchbruch für CIGS-Technologie

Manz AG: Großauftrag über 263 Mio. EUR und strategische Kooperation markieren den Durchbruch im CIGS-Dünnschicht-Solargeschäft

23.01.2017 18:45:00 CET, Reutlingen

  • Großaufträge für zwei CIGS-Produktionslinien mit 350 MW Gesamtkapazität mit Abstand die größte Bestellung in der Unternehmensgeschichte
  • Manz beginnt strategische Zusammenarbeit inkl. Solar-Joint Ventures mit zwei führenden Unternehmen der chinesischen Energieindustrie zur Vermarktung der CIGS-Dünnschicht-Technologie
  • Zusammenarbeit bildet die Basis für eine nachhaltig profitable Unternehmensentwicklung der Manz AG und eröffnet immenses Umsatzpotenzial für die Zukunft

Die Manz AG (ISIN: DE000A0JQ5U3) hat mit der Shanghai Electric Group Co., Ltd. und der Shenhua Group Co., Ltd. eine strategische Zusammenarbeit im Bereich der CIGS-Dünnschicht-Solartechnologie vereinbart. In diesem Zusammenhang erhielt die Manz AG zwei Großaufträge für je eine CIGS-Produktionslinie mit 306 MW Kapazität sowie eine CIGS-Forschungslinie mit einer Kapazität von 44 MW. Die CIGS-Forschungslinie wurde von einem neu gegründeten Forschungs-Joint Venture bestellt, der Auftrag für die CIGS-Turnkey-Anlage zur Serienproduktion (CIGSfab) wurde von einem neu gegründeten Modul-Joint Venture verbundener Tochtergesellschaften der Shenhua Group und Shanghai Electric erteilt. Die CIGSfab wird die größte CIGS-Produktionslinie in China und die zweitgrößte weltweit sein und in Chongqing errichtet werden. Die Installation wird 2017 beginnen und im Folgejahr 2018 abgeschlossen werden. In Anbetracht des immsensen Potenzials weltweit ist dieser Auftrag nur als erster Schritt zu betrachten. Das Auftragsvolumen beträgt insgesamt 263 Mio. EUR und wird in den Geschäftsjahren 2017 und 2018 umsatz- und ertragswirksam. Aufgrund entsprechender Anzahlungsvereinbarungen werden diese Aufträge Cash-Flow-positiv realisiert. Die Zusammenarbeit sowie die Aufträge bilden die Basis für eine profitable Unternehmensentwicklung der Manz AG und belegen die Technologie- und Kostenführerschaft der CIGS-Dünnschicht-Technologie.

Dieter Manz, Vorstandsvorsitzender und Gründer der Manz AG, zeigt sich überaus zufrieden: „Diese Zusammenarbeit ist absolut einmalig in der weltweiten Solarindustrie. Wir waren immer von der Überlegenheit und dem Potenzial unserer CIGS-Dünnschicht-Technologie überzeugt. Bereits heute bieten CIGS-Module von Manz niedrigste Stromerzeugungskosten als die kristalline PV-Technologie. Für unser Solargeschäft markieren die heutigen Vereinbarungen den Durchbruch. Das Vertrauen in unser exzellentes Können als Ingenieure und Maschinenbauer zahlt sich nun aus.“

Um die Manz CIGS-Dünnschicht-Technologie weiter zu vermarkten und zu entwicklen, bündeln die drei Partner – Shenhua Group, Shanghai Electric und Manz – ihre Stärken in den Bereichen Energieerzeugung, Großanlagenbau und weltweit führender Spitzentechnologie. Die Shenhua Group, das größte Kohleunternehmen Chinas und weltweit größter Betreiber von Kohleminen, hat sich mit Manz‘ Ankerinvestor Shanghai Electric als Chinas größtem Maschinenlieferanten für die Energieerzeugung zusammengetan, um so die gesamte Wertschöpfungskette bei der regenerativen Stromerzeugung mit CIGS-Solarmodulen abzudecken. Dank der langjährigen und einmaligen Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) hat die Manz AG exklusiven Zugriff auf die CIGS-Dünnschicht-Technologie mit einem Weltrekordwirkungsgrad auf Glas von 22,6 %. Darüber hinaus verfügt Manz bereits heute am Standort Schwäbisch Hall über eines der weltweit größten und erfahrensten Forschungsteams im CIGS-Bereich.

Forschungs-Joint Venture: Eine einzigartige Allianz zur Entwicklung der CIGS- Dünnschicht-Technologie

Mit der heutigen Vertagsunterzeichnung haben die Unternehmen die Grundlage für ein einzigartiges Forschungs-Joint Venture gelegt, das künftig die weltweit führende Forschungseinrichtung im Bereich der CIGS-Dünnschicht-Technologie darstellen wird. Das Forschungs-Joint Venture wird die Potenziale der CIGS-Technologie heben, die sie für weitere Wirkungsgradsteigerungen sowie zur Reduzierung der Herstellungskosten bietet. Um den Forschungsprozess weiter zu beschleunigen, wird neben der bestehenden Innovationslinie für CIGS-Dünnschicht-Solarmodule in Schwäbisch Hall eine weitere Forschungslinie in Peking errichtet werden. Hierzu wird die Manz AG eine 44 MW-Linie an das Forschungs-Joint Venture liefern. Die momentane CIGS-Forschungsgesellschaft der Manz AG, die Manz CIGS Technology GmbH, wird durch das neue Forschungs-Joint Venture für 50 Mio. EUR gekauft. Im Gegenzug wird Manz für 25 Mio. EUR mit 15 % Anteilseigner des Joint Ventures. Die weiteren Anteile werden durch verbundene Tochtergesellschaften der Shenhua Group, Shanghai Electric und der Beijing Future Science Park Development Group gehalten.

Die beteiligten Parteien vereinbarten für Schwäbisch Hall eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie für die kommenden fünf Jahre. „Indem wir mit unseren finanzstarken strategischen Partnern dieses weltklasse Forschungs-Joint Venture gründen, werden wir die Kostenführerschaft der CIGS-Technologie weiter ausbauen. Zusätzlich werden für die Manz AG mit dieser Vereinbarung jährliche Kostenbelastungen von 15 – 20 Mio. EUR aus dem Betrieb des Standorts Schwäbisch Hall entfallen. Zusammen mit der Auftragspipeline von 350 MW und dem weiteren immensen Potenzial bildet dies die Basis für eine profitable Unternehmensentwicklung der Manz AG“, erklärt Dieter Manz.

Equipment-Joint Venture: Kooperationsvereinbarung eröffnet großes Umsatzpotenzial in den kommenden Jahren

Um die Umsetzung dieses immensen Potenzials nachhaltig voranzutreiben, werden Shanghai Electric, die Shenhua Group und Manz ein Equipment-Joint Venture gründen, das exklusiv die Vertriebsaktivitäten in China aufnehmen, in zukünftigen Projekten die Ingenieurleistungen erbringen und in der Anlaufphase unterstützen wird. Während die zuvor genannten Großaufträge für die Forschungslinie wie auch die 306 MW Produktionslinie direkt bei der Manz AG geordert wurden, werden mögliche Folgeaufträge aus China beim Equipment-Joint Venture platziert. Mehrheitseignerin dieses Joint Ventures ist die Manz AG mit 56 % und wird damit zukünftige Umsatzerlöse und Erträge voll konsolidieren. Shanghai Electric und Shenhua Group halten die übrigen Anteile in dem Joint Venture. In allen weiteren Regionen außerhalb Chinas wird die CIGSfab ausschließlich durch die Manz AG vertrieben. Im Rahmen der weiteren Vermarktung wird das Equipment-Joint Venture über eine exklusive Lizenzvereinbarung Zugang zu den zukünftigen Forschungsergebnissen des Forschungs-Joint Ventures sowie des ZSW haben.

Dieter Manz: “Heute ist ein großer Tag für unser Unternehmen und für die gesamte Solarindustrie. Ein Tag, auf den wir hart hingearbeitet haben und an dem sich unser jahrelanges Durchhaltevermögen und die hohen Investitionen zur Weiterentwicklung der CIGS-Technologie endlich bezahlt machen. Für die Mitarbeiter und Aktionäre unseres Unternehmens waren die zurückliegenden Jahre nicht immer einfach. Aber es hat sich gelohnt! Manz kommt mit seiner schlüsselfertigen und vollintegrierten CIGSfab eine führende Rolle beim Technologiewechsel von der arbeits- und materialintensiven kristallinen Solartechnologie hin zur ressourcenschonenden, effizienten Dünnschicht-Technologie zu. Das macht uns alle sehr stolz.“

Hier der Link zum Video Interview mit Dieter Manz.

Industrie 4.0 – Hype oder reale Zukunftschance?

Industrie 4.0 – das Thema ist derzeit in aller Munde, bis zum sinnentleerten Hype.

Welche Bedeutung dem Themenkomplex in der Öffentlichkeit zugemessen wird, sieht man an dem Aufschrei, der den Verkauf des Augsburger Roboterherstellers Kuka an eine chinesische Firmengruppe begleitete. Politik und Wirtschaftsverbände befürchteten den Abfluss des für 4.0 wichtigen Automatisierungs-Knowhows der Firma. Technisches Know-how und sensible Daten könnten nach China abfließen, so die Befürchtung.

Fakt ist, dass Industrie 4.0 oft aus Unwissenheit mehr zur Verwirrung beiträgt. Es ist immer noch ein Begriff, der bei 100 Befragten 100 unterschiedliche Wahrnehmungen erzeugt und gleichzeitig viele hilflos zurücklässt. Sogar der SPIEGEL ging vor kurzem in einer Titelstory darauf ein, konzentrierte sich aber wesentlich auf das Verhältnis Mensch-Maschine und die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt.

Dabei wird das Schlagwort gerne verwechselt mit Begriffen wie Internet der Dinge, Automatisierung, Roboterisierung, Digitalisierung. Industrie 4.0 geht aber einen wesentlichen Schritt weiter: hin zur Vernetzung und Systemintegration.

Industrie 4.0 ist ein Sammelbegriff, der, einmal schmäler, einmal breiter, die Digitalisierung von Wertschöpfungsketten umfasst. Schon jetzt erleben wir fundamentale Änderungen in der Art wie wir arbeiten, leben und konsumieren. Industrie 4.0 ist eine neue Ära, die einen Transfer der Wertschöpfung von der Hardware zur Software, vom Produkt zur Dienstleistung und vom Einzelprodukt zu Netzwerken bis hin zum Verbraucher einläutet.

Sie kann auf zwei möglichen Wegen erreicht werden, die auch unabdingbar zusammengehören:

1) als Evolution – Stichwort „Smart Factory“, die es erlaubt, bestehende Geschäftsmodelle und -prozesse signifikant zu verbessern,

2) als Revolution, die eine Entwicklung neuer Geschäftsmodelle ermöglicht.

Industrie 4.0 bringt enorme Potenziale für die (produzierende) Industrie mit sich. Seit 2011 investiert die deutsche Regierung intensiv in die Digitalisierung, ein herausragendes Beispiel dafür sind die elf Mittelstand 4.0-Kompetenzzentren und die neu ins Leben gerufene Plattform Industrie 4.0. Hier ist der offizielle Standpunkt des BMWi zu finden: http://www.bmwi.de/DE/Themen/Industrie/industrie-4-0.html

Das Ergebnis: In Deutschland erlebt die Industrie eine Renaissance. Sie wird wieder als ein zentraler Akteur für hochqualitative Jobs und Wertschöpfung wahrgenommen. Der Nutzen, den man sich von Industrie 4.0 erwartet, ist ein dreifacher:

1) Effizienzgewinn
2) Produktindividualisierung
3) Entstehung neuer Geschäftsmodelle.

Dafür ist die intelligente Echzeit-Vernetzung von Menschen (Kunden, Mitarbeitern), Anlagen (Maschinen, Produkten) und Werkzeugen (Netzwerken, Algorithmen) notwendig. Das Resultat sind gravierende Veränderungen für alle Unternehmensbereiche.

Neue Geschäftsmodelle: Denken 4.0

Der Kunde – ob im Business-to-Business- oder Business-to-Consumer-Bereich – ist oft gar nicht am eigentlichen Produkt interessiert. So steht am Anfang der Geschäftsmodellierung der Gedanke daran, was der Hersteller denn dem Kunden eigentlich anbietet. Ist der wirklich interessiert an der Anlage, in die er investieren und die er dann langfristig betreiben muss? Oder benötigt er eigentlich nur das Ergebnis?

Beispiele:
Der Maschinenbauer Kaeser baut und vertreibt seit fast 100 Jahren Kompressoren. Jetzt verkauft er seinen Kunden Druckluft! Er rechnet den Kunden den von Sensoren gemessenen Verbrauch direkt ab. Rolls-Royce hat mit „Power by the hour“ ein ähnliches Konzept und verkauft Schubkraft statt Turbinen. In beiden Fällen verbleiben die Anlagen im Eigentum des Anbieters; der Nutzer zahlt nur für deren Einsatz.

Ein führender Pumpenhersteller aus NRW hat festgestellt, dass es seinen Endkunden egal ist, welche Thermostate, Boiler oder Pumpen dafür notwendig sind, dass in ihrem Badezimmer kuschelige 21 Graf herrschen, wenn sie von der Arbeit kommen. Sie wollen das Gesamtsystem einfach mit einer App steuern.

Marketing 4.0: Die Vernetzung mit dem Kunden

Individualisierte Produkte und Leistungen bis hin zur Losgröße Eins entstehen durch Einbindung des Konsumenten in die Wertschöpfungskette. Hersteller stellen ihm Apps zur Verfügung, die Personalisierung übernimmt der Nutzer selbst. Damit wird endlich der Traum wahr, die Bedürfnisse des Kunden 1:1 zu berücksichtigen. Das Interessante dabei ist, dass die zugrundeliegenden Systeme helfen, diese Bedürfnisse in die Sprache der Produzenten zu übersetzen. Wer diese Zusammenhänge und Möglichkeiten am schnellsten erkennt, mit intelligenten Geschäftsmodellen und unter Einsatz der richtigen Werkzeuge am Kundenbedarf orientiert erfüllt, wird mit Industrie 4.0 international erfolgreich sein.

Beispiel Adidas: „Speed Factory“
ADIDAS holt seine (Massen-) Fertigung aus Asien wieder sukzessive zurück, direkt dorthin wo seine Kunden sitzen (laufen). In Ansbach steht bereits eine Pilotfabrik, auf der seit einiger Zeit (momentan nur) ca. 500 Paar Laufschuhe 100% nach Kundenwunsch gefertigt werden. Der Kunde spezifiziert über ein Portal online seine ganz persönlichen Laufschuhe, und zwei Tage später werden diese von einem Paketversand frei Haus geliefert. Die Herstellung erfolgt nahezu voll automatisiert und komplett vernetzt nach neuesten Fertigungsmethoden, Materialfluß-, Qualitätssicherungs- und Handhabungsmethoden. Additive Fertigungsprozesse spielen dabei eine entscheidende Rolle.

Technik 4.0: Standards sind der Schlüssel!

Industrie 4.0 – also die Vernetzung von Produkten, Fabriken und Lagerhallen, Herstellern, Lieferanten und Kunden – verheißt mehr Produktivität und neue Geschäftsmodelle. Um die Wertschöpfungskette einer Branche aber wirkungsvoll vernetzen und integrieren zu können, ist eine gemeinsame Sprache über die Prozesschritte hinweg nötig. Hier kommt die Vereinbarung von Standards ins Spiel, bei der sich Partner und auch Wettbewerber an einen Tisch setzen müssen.

Seit zwei Jahren schon diskutieren Unternehmen wie Siemens, Bosch, Infineon und SAP gemeinsam mit den drei Verbänden Bitkom, ZVEI und VMDA darüber, wie sich die Industrie 4.0 verwirklichen lassen könnte. Es geht vor allem darum, gemeinsame Standards zu finden, die garantieren, dass Maschinen künftig über die Einzelschritte der Wertschöpfungsketten hinweg miteinander kommunizieren können. Das ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen der vierten industriellen Revolution.

Die Hoffnung ist groß, dass die Politik vor allem die Suche nach Industrie-4.0-Standards vorantreibt. „Die Industrie-Plattform hatte einen Geburtsfehler“, heißt es aus der Wirtschaft. „Der war, dass die Teilnehmer immer unter kartellrechtlichem Risiko standen.“ Aus Furcht vor den Wettbewerbshütern habe man keine Absprachen getroffen. In einem staatlich organisierten Prozess minimiere sich diese Gefahr nunmehr. Dennoch haben einzelne Branchen für sich bereits Fortschritte gemacht, um die Standardisierung selbst voranzutreiben.

Beispiel Druckbranche:
In der Druckindustrie wurden in den letzten Jahrzehnten Einzeloptimierungen der aufeinander folgenden Schritte in der Wertschöpfungskette erreicht: in der Vorstufe (wo die gestalterischen Daten in Druckdaten umgewandelt werden), in der Druckmaschine (mit wesentlichen Automatisierungen für problemlose und qualitativ stabile Prozesse) und in der Weiterverarbeitung, wo aus Gedrucktem ein fertiges Produkt wird (durch Falzen, Stanzen und zahlreiche weitere Verarbeitungs-schritte). Allein was fehlte, war die Integration dieser Prozessschritte und die Vereinbarung von Standards (für Fachleute: JDF/JMF etc.) zwischen den Herstellern. Die Individualisierung war durch Vorstufe und Digitaldruckmaschinen schon möglich, aber die Weiterverarbeitungsgeräte konnten mit kleinsten Auflagen bis zur Losgröße Eins nicht mithalten. Wie man auf der drupa 2016 in Düsseldorf sehen konnte, gibt es jetzt Systeme, die – mit den Schlagworten Print 4.0 und Finishing 4.0 versehen –  dies leisten können, indem sie sich selber einstellen und durch Rückmeldung von Produktionsdaten auch Auftragsabrechnungen übernehmen – Fehler durch manuelle Auftragserfassung werden gleich mit eliminiert. Marktführer Heidelberger Druck redet gar von „autonomem Drucken“ und will den Startknopf („Push to Start“) gleich komplett durch den Stop-Knopf („Push to Stop“) nur für den Notfall ersetzen.

Beispiel Lagerhaltung:
Bosch und SAP haben in einer Kooperation eine Technologie und ein Referenzmodell für den Datenaustausch entwickelt, um das vernetzte Lager mit vernetzten Gabelstaplern zu realisieren. Ziele dabei: Weniger Unfälle, mehr Effizienz. In einem eigenen Werk hat Bosch damit eine Produktivitätssteigerung von 25% erreicht. Auch hierbei spielt die Entwicklung gemeinsamer Standards eine zentrale Rolle.

IT 4.0: Big Data wird zu Smart Data

Die Möglichkeiten, durch Sensoren und Netzwerke riesige Datenmengen zu erheben, führen zu völlig neuen Nutzungsmöglichkeiten und Geschäftsmodellen.

Beispiel Landwirtschaft:
Der Landwirt (Kunde) möchte den Ertrag auf seinen Feldern maximieren, bei gleichzeitiger Minimierung von eingesetzten Ressourcen (Material, Personal und Zeit). Daher genügt es nicht, wenn die Hersteller (John Deere, Claas, Fendt, etc) nur Landmaschinen verkaufen. Vielmehr müssen sie mit intelligenten Algorithmen aus „Big Data“ (Wetter, Bodenbeschaffenheit, Umweltbedingungen, etc.) durch Vernetzung von unterschiedlichen Bezugsquellen die relevanten Daten/Informationen zusammentragen, und diese als „Smart Data“ dem Landwirt direkt auf seinem Schlepper auf dem Feld online zur Verfügung stellen. Im Idealfall den Schlepper sogar noch über GPS automatisch fahren und die Sämaschinen automatisch steuern und regeln.

Beispiel Medienindustrie:
Sattsam bekannt ist, wie Facebook und andere soziale Medien die Werbung an das bisherige Verhalten der Nutzer anpasst. Klassische Nachrichtenverlage übernehmen diese Prinzipien nicht nur, um dem Leser jeweils aktuell die ihn am stärksten interessierenden Nachrichten zu liefern, sondern passen ihre redaktionelle Arbeit immer mehr dem Publikumsgeschmack ihrer jeweiligen Zielgruppen an – erhoben aus den am häufigsten angeklickten Nachrichten.

Controlling 4.0: Echtzeit-Transparenz

Die Daten lassen sich im Unternehmen noch viel weiter nutzen. Sie müssen künftig echtzeitbasiert ausgewertet werden, um dem Management ein umfassendes Bild über die Lage des Unternehmens zu vermitteln: kontinuierlich aktuelle Prognosen, Entwicklung intelligenter Algorithmen, unternehmensübergreifende Vernetzung und Koordination. Sie ermöglichen eine ständige Überwachung der Sinnhaftigkeit neu implementierter Technologien und eine wesentlich verbesserte Transparenz über die Unternehmensprozesse.

Der Controller wird zum Data Scientist; aus „Big Data“ werden „Smart Data“ gemacht. Der Blickwinkel des Controllers muss erweitert werden auf Sachverhalte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, daher werden künftig noch mehr ingenieurwissenschaftliche und informationstechnische Kompetenzen unabdingbar. Der Controller wird zum zentralen Sparringspartner des Managements.

Service 4.0: Der Service wird wichtiger als das Produkt

Im Maschinen- und Anlagenbau stand bisher die Hardware im Vordergrund. Die Anlage wurde geliefert, und damit war die Sache für den Hersteller meist erledigt. Jetzt beginnt hier überhaupt das Geschäft erst interessant zu werden: Die Anlagen werden mit Sensoren ausgestattet, die alle Prozesse kontinuierlich überwachen und auswerten. Auf der Basis dieser Daten können ganz neue Dienstleistungen und Geschäftsmodelle entwickelt werden; der Service wird wichtiger als das Produkt.

Summary:

Die Industrie 4.0 bietet ein großes Potenzial, wir stehen aber gerade noch am Anfang der Entwicklung.

Eine große Anzahl technischer Lösungen stehen zur Verfügung….zur eigentlichen Revolution wird Industrie 4.0 aber erst dann, wenn neben verbesserten Produkten und Services, sowie effizienten und flexiblen Produktionstechniken auch neue Geschäftsmodelle entstehen. Diese Entwicklung darf vom Mittelstand, insbesondere im deutschen Maschinen- und Anlagenbau, nicht verschlafen werden.

Industrie 4.0 ist Chefsache! Leider weisen aktuelle Studien darauf hin, dass das noch nicht überall der Fall ist. KPMG kommt zu dem Schluss: „Es braucht einen CEO mit strategischem Weitblick und Mut, neue Wege im Geschäfts- und Operating Modell zu gehen.“ Man müsse sich ständig fragen, welche Auswirkungen, welche Relevanz und welcher Nutzen sich für das eigene Unternehmen ergeben.

Führungskräfte sollen ihre Beschäftigten durch den digitalen Wandel in die „Arbeitswelt 4.0“ bringen. Theoretisch. Doch die Praxis sieht anders aus: Nur jeder zweite Arbeitnehmer in den D-A-CH-Ländern traut seinen Managern zu, Firma und Mitarbeiter erfolgreich in die Arbeitswelt der Zukunft zu leiten. Dies ergab eine internationale Studie der Unternehmensberatung ROC. Auch beim Thema Industrie 4.0 hakt es in den Chefetagen: 46 Prozent der Mitarbeiter halten ihre Vorgesetzten nicht für absolut kompetent in diesem Bereich.

Liebe Leser, wir werden Sie natürlich in den nächsten Monaten mit unserem Newsletter auf dem Laufenden halten, was sich in Sachen Industrie 4.0 vor allem für den mittelständischen Maschinen- und Anlagenbau Neues tut.

Wir freuen uns außerdem auf Ihre Kontaktaufnahme per Email oder Kontaktformular.

Karin Sieber-Huber & Eckhard Hörner-Marass
KSH und EHM 2HIM GmbH