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7 Signale-Stürmische Zeiten-Transformationsexperten

„Diese 7 Alarmsignale deuten auf einen Abschwung an den Märkten hin“ – (Handelsblatt 2018)

Seit der Finanzkrise haben die Märkte weltweit einen beispiellosen Aufstieg erlebt. Der könnte nun zu Ende sein: Experten sehen mehrere Warnzeichen.

  • Extrem hoher Wert von Anleihen im Verhältnis zum Volkseinkommen

Vor allem die globalen Rentenmärkte machen Sorgen.

Die Gesamtverschuldung, also das Volumen von Unternehmensanleihen, Pfandbriefen und anderen hypothekenbesicherten Wertpapieren sowie von Staats- und Bankenanleihen, verglichen mit dem Volkseinkommen hat ein extrem hohes Niveau erreicht.

  • Schlechte Qualität der Vermögensanlagen

Insbesondere für Staaten mit hohen Schulden – wie Italien, Portugal oder Griechenland – gibt es Ausfallrisiken, die durch die sehr niedrigen Renditen bei Staatsanleihen nicht vergütet werden. Andere Länder wie Deutschland, aber auch die USA, haben hohe verdeckte Staatsschulden durch ein teures Sozialsystem, dessen Folgekosten etwa ab 2025 die Staatsdefizite hierzulande stark anschwellen lassen werden.

  • Kryptowährungen als Gipfel der Spekulation in einer Hausse

Der Boom der Digitalwährungen wie Bitcoin zeigt für Anlagestrategen den späten Zyklus. Bitcoin werde kaum auf Basis einer fundamentalen Analyse gekauft. „Bitcoin wird gekauft, da jeder darüber spricht, da man dabei sein will, da Anleger eine Scheibe von den sagenhaften Kursgewinnen abhaben möchten“, meinen Experten. Ende 2017 notierte die Kunstwährung bei 20.000 Dollar, heute werden nur noch ca. 6.000 Dollar gezahlt. Kryptowährungen weisen ein hohes Totalverlustrisiko auf, bieten aber angesichts fehlender Verzinsung keine Kompensation dafür, warnen Experten. Der Wert müsste eigentlich nahe null liegen, da kein Staat eine Währung duldet, die privat erzeugt wird.

  • Populisten drehen die Globalisierung zurück und beschädigen die Märkte

Mit dem Erstarken protektionistischer Kräfte gewinnen Populisten an Einfluss – ähnlich wie in den Zwanzigerjahren des vorigen Jahrhunderts. Laut der DZ Bank würde der Rückbau der Globalisierung massive reale Kosten und Wohlstandseinbußen nach sich ziehen. Das wirkt sich auch stark am Kapitalmarkt aus.

  • Eine galoppierende Hypothekenverschuldung kennt kein Halten mehr

In der Zeit von 1920 bis 1980 lag die Hypothekenverschuldung weltweit stets zwischen zehn und 35 Prozent des Volkseinkommens. Seit 1980 ist sie von 30 Prozent auf den neuen Rekord von 70 Prozent des Volkseinkommens gestiegen – eine direkte Folge der langfristigen Minizinsen. „Luxuswohnungen erbringen häufig so niedrige Mieterträge, dass nur noch die Verwaltungs- und Instandhaltungskosten abgedeckt werden“, warnen Experten.

  • Staatlich tolerierte Falschbilanzierung führt zu Blasenbildung

Staatsanleihen sind in Ländern mit einer eigenen Notenbank einem moderaten Inflationsrisiko ausgesetzt. In Staaten ohne eigene Notenbank – wie bei den Mitgliedern der Euro-Zone – kommt das Risiko eines Bankrotts hinzu, wie es in Griechenland fast der Fall war. Weltweit addiert sich die Summe der Staatsbonds, die in Bankbilanzen liegen, auf 1,85 Billionen Dollar, hat die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich für 2017 ausgerechnet.

  • Fallende Renditen über alle Anlageklassen hinweg

Die extrem niedrigen Zinsen haben zu einem Renditeverfall geführt. Billiges Geld ist dabei wie Wasser: Es fließt überall hin. „Investitions-Touristen“ wählen immer exotischere Anlageformen. Preise und Kurse steigen, Renditen fallen.


Sturmtief voraus? (Roland Berger Studie 2018)

Unternehmen im Maschinenbau und Automotive müssen trotz guter Konjunktur mit sektoralen Krisen rechnen.

Sturmtief voraus …?
So könnte man die Grundfrage der Roland Berger Umfrage 2018 unter Restrukturierungs- und Transformationsexperten zusammenfassen.

Die deutsche Wirtschaft erweist sich zwar nach wie vor als stabiler Motor. Dennoch mehren sich die Stimmen – dar­unter die des renommierten Ökonomen Prof. Dr. Dr. h.c. Bert Rürup –, dass die glänzende Fassade der deutschen Wirtschaft schon bald ein paar Kratzer bekommen könnte. Weil sich die Notwendigkeit zur Anpassung als Erstes in einzelnen Branchen zeigt, bevor sie gesamtwirtschaftlich durchschlägt, wird der Anpassungsbedarf oft unterschätzt. Woran liegt das? Die Studienteil­nehmer glauben, es fehlt in guten Zeiten in vielen Unter­nehmen am nötigen Druck, umfassende Veränderun­gen anzustoßen. Sensibilität für diese ständige Bereitschaft zur Transformation zu schaffen und sie zu verwirklichen, diese Aufgabe wurde in den Roland Berger Studien der vergangenen Jahre bereits als neues Betätigungsfeld deutscher Chief Restructuring Officers und Chief Trans­formation Officers (CROs und CTROs) identifiziert. Denn wenn Unternehmen in unsicheren Zeiten Management­fehler machen, ist das oft der Grund, dass der Veränderungsbedarf sich zu einer handfesten Krise auswächst, sagen die Befragten. Nicht alle Branchen sind glei­chermaßen betroffen. Deswegen wurde von Roland Berger die Situation in deutschen Schlüsselindustrien beleuchtet, wie z.B. dem Maschinenbau und der Automobilzulieferindustrie. Es wurde herausgearbeitet was zu tun ist, damit die Transformation gelingt.


AUTOMOBILINDUSTRIE – IM STRUDEL DES JAHRHUNDERT-WANDELS  

Seit der Erfindung des Automobils hat sich die Branche lange Zeit weitgehend linear weiterentwickelt. In den vergangenen zwei Jahren konnte man jedoch beobach­ten, wie sich – getrieben durch vier Trends – ein massiver Wandel ankündigte und teilweise auch schon vollzog. Das hat Auswirkungen auf Automobilhersteller, Zuliefe­rer und den Aftermarket.

 TRENDS:

  1. Alternative Antriebsformen:
    Die Entwicklung des Marktes hin zur E-Mobilität veränderte substanziell das gesamte Ökosystem, bestehend aus Zulieferern, Herstellern und Aftermarket.
  2. Mobilität statt Autofahren:
    Autofahrer haben bereits heute die Option, zahlreiche neue Mobilitätskonzepte wie Carsha­ring oder Taxihailing als Alternativen zum eigenen Auto zu nutzen – zumindest in städtischen Gebieten.
  3. Autonomes Fahren:
    Vor allem die Zulieferer erleben einen massiven Umbruch. Die Unternehmen haben bereits und werden weiter in Entwicklung investieren müssen, um neuen Anforderungen zum Beispiel an Innenraumgestal­tung, Sensorik oder Vernetzung gerecht zu werden.
  4. Digitalisierung:
    Sie könnte die Art und Weise, wie Autos verkauft werden, relativ schnell massiv verändern und auch das Geschäft im Aftermarket disruptieren.

MASCHINENBAU – DIE NÄCHSTE INDUSTRIELLE TRANSFORMATION STEMMEN

Für Maschinen- und Anlagenbau ist Deutschland welt­weit renommiert. Den zahlreichen Hidden Champions ist es gelungen, sich relativ unbeschadet über die Krisen der Vergangenheit zu retten. Auch im aktuell schwieri­gen politischen und wirtschaftlichen Umfeld (Brexit, Vertrauenskrise in Europa und Deutschland, Trump als US-Präsident) behauptete sich der deutsche Maschinen­bau in 2018 weiter. Die Entwicklung schwächt sich seit Ende 2018 ab.

„Der Auftragseingang im Maschinenbau bleibt unter Druck, die Branche verzeichnet im März 2019 bereits das vierte Minus in Folge“, erläutert der VDMA-Chefvolkswirt Dr. Ralph Wiechers am 06. Mai 2019 in Frankfurt.

TRENDS:

  1. Digitalisierung:
    Industrie 4.0 bzw. digitale Transformation erfordert die Stärkung von Softwarekompetenzen produ­zierender Unternehmen.
  2. Neue Wettbewerber:
    Im Zusammenhang mit der Digitali­sierung und digitalen Geschäftsmodellen treten neue Marktteilnehmer auf den Plan (IIoT-Plattformanbieter) und definieren das Spielfeld neu.
  3. Additive Manufacturing:
    Etabliert sich auch bei höheren Stückzahlen zunehmend über das Prototyping hinaus und ge­winnt gegenüber konventionellen Verfahren an Marktanteil.
  4. Chinesische Wettbewerber:
    Sie investieren strategisch, stärken das eigene Know-how und setzen deutsche Ma­schinenbauer und deren China-Exportgeschäft stark unter Druck.

Beim Einsatz von Transformationsexperten (CTRO) und/oder Restrukturierungsspezialisten (CRO) ist das Timing entscheidend für den Transformationserfolg:

Zwei gegenläufige Entwicklungen gilt es dabei abzuwägen. Im Verlauf der Krise wird der Druck immer stärker, gleichzeitig nimmt die Zahl der Handlungsoptionen ab. Das spräche dafür, möglichst früh einzugreifen. Andererseits zeigt die Erfahrung, dass eine gewisse Veränderungsbereitschaft notwendig ist für eine Transformation. Es braucht „ein wenig Krise“, damit die Umorientierung gelingt. Der optimale Zeitpunkt einzugreifen, liegt also eher in der Mitte. Dort ist noch genügend Spielraum, um zu handeln. Und dort ist der Druck beherrschbar, während die Veränderungsbereitschaft dennoch genügend Schub für das Projekt verspricht.

Ihr
Eckhard Hörner-Marass