Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 6

Beitrag 6 – Deutsche und europäische Pkw Hersteller mit massivem Aufholbedarf

Die Entwicklungskurve der Zulassungszahlen von PEV (Plug-in) Fahrzeugen zeigt den typischen exponentiellen Verlauf für ein neues erfolgreiches Produkt. Der „Knoten der E-Mobility scheint geplatzt“ in den Haupt PKW Absatzmärkten China, USA und Europa. Bei den Administrationen die dafür die ordnungspolitischen Rahmenbedingungen schaffen müssen, bei den Verbrauchern, den Herstellern und der Zulieferindustrie.

Quelle: ZSW

Im globalen BEV Markt (Batterie elektrische PKW) spielen die deutschen und europäischen Hersteller mit den Plätzen 7, 12, 15 und 18 bis zum 1. Halbjahr 2018 eine untergeordnete Rolle. Sie haben die bisherige Entwicklung der E-Mobility verschlafen.

Quelle: EV Volumes.com

Quelle: ZSW

Auch im aktuellen Innovationsstärkenindex für BEV Serien PKW finden sich die deutschen Hersteller BMW, VW und Daimler nur auf den Plätzen 11, 12 und 14, und damit lediglich im Mittelfeld im Vergleich von 25 internationalen Automobilkonzernen. Renault erreicht hinter Tesla, BYD, BAIC und Hyundai immerhin Platz 5.

Die Innovationsstärke wurde auf der Basis von 159 Serien-Innovationen ermittelt. Für die Auswertung wurden die Innovationsdaten von 2014 bis 2018 kumuliert, um Schwankungen auszugleichen.

Milliarden Investitionen in E-Mobility:

Die geplanten Milliarden Investitionen, insbesondere der europäischen Hersteller in den kommenden Jahren in E-Mobility, neue Mobilitätskonzepte und autonomes Fahren bestätigen die neue strategische Ausrichtung. Um mit erhöhten Anstrengungen auf einen bereits losgefahrenen Zug noch aufzuspringen. Oder besser ausgedrückt, um die schärferen Emissionsvorgaben im Flottenmix bis Ende 2030 sicher zu erreichen.

Aus einer Reuters Analyse von Anfang Januar 2019 geht hervor, dass die Autobauer (29 OEM weltweit) in den kommenden 5 bis 10 Jahren insgesamt über 300 Mrd. US Dollar in E-Mobilität investieren wollen/werden. VW steht mit 91 Mrd. $ an erster Stelle. 50% davon gehen nach China und 57 Mrd. $ in das Batteriegeschäft.

Handelsblatt vom 13.02.2019:
„VW geht mit seiner Elektrostrategie voll ins Risiko“.
„Kein zweiter etablierter Hersteller bekennt sich so sehr zum E-Auto wie VW. Das unternehmerische Wagnis ist groß – könnte sich aber auszahlen.”

Auf den Plätzen 2 bis 5 folgen Daimler (42 Mrd. $), Hyundai/Kia (20 Mrd. $), Changan (15 Mrd. $) und Toyota (13,5 Mrd. $).
Die Deutschen Autobauer planen demnach insgesamt 139,5 Mrd. $, die nahezu hälftig in Deutschland und China eingesetzt werden sollen.
Chinas Autobauer bringen voraussichtlich 57 Mrd. $ auf, für fast ausschließlich nationale Investitionen.
Die amerikanischen OEMs sind mit 39 Mrd. $ dabei, von denen 5 Mrd. $ nach China gehen und der Rest in den USA bleiben.
Japans und Koreas Autobauer planen mit 24,3 Mrd. bzw. 20 Mrd. $. Davon wollen die Japaner rund 1/5 davon nach China pumpen, den Rest im eigenen Land. Die Koreaner werden ausschließlich im Inland investieren.

Es ist zur Aufholjagd geblasen. Zweifel ob sie gelingt sind erlaubt.

Die WirtschaftsWoche titelt am 21. Januar 2019:
„Den Wandel werden maximal 5 bis 10 Konzerne schaffen“.

Am 09. Februar zitiert die WirtschaftsWoche Harald Christ, Unternehmer und Mittelstandsbeauftragter der SPD. Beim „Treffen der Weltmarktführer 2018 – Hidden Champions“ in Schwäbisch-Hall sagte dieser: „Wer Weltmarktführer bleiben will, braucht Künstliche Intelligenz (KI). Viele deutsche Unternehmer fremdeln noch mit Digitalisierung und KI. Wenn sie sich nicht schleunigst modernisieren, werden sie nicht bleiben was sie sind: weltweit führend“.

Roland Berger schätzt den Markt für autonomes Fahren (KI Anteil) auf ca. 60 Milliarden Dollar.

Die deutschen Automobil Zulieferer können nur mit massiven Innovationsanstrengungen in KI, Digitalisierung und Mobilitätslösungen ihre heute noch weltweit führende Position behaupten:

Das Handelsblatt macht dies mit seinem Artikel am 30.01.2019 am Beispiel Bosch deutlich:

„Milliarden fürs autonome Fahren – Bosch wagt sich ins KI-Duell mit Google“.

Folgende Kernfragen und Aufgaben bleiben:

  1. Schaffen die deutschen Autobauer die rasche Transformation vom heute wertschöpfungsintensiven „Motoren- und Getriebebauer“ hin zum Kunden orientierten, dynamischen, flexiblen und ständig anpassungsfähigen Mobilitätsanbieter?
    –> ein disruptiver Change Prozess mit Risiken und Chancen!
  2. Können die deutschen Autobauer ihre heutige Innovationsführerschaft in der klassischen PKW Technologie auch bei zukünftigen Mobilitätslösungen auf- und ausbauen?
  3. Kann diese Innovationsführerschaft dauerhaft ohne das Beherrschen der neuen Kerntechnologie und Kernbaugruppe Batterie in deren Entwicklung und Herstellung, als auch beim intelligenten Batteriemanagement (BMS) und dem E-Antriebsstrang gelingen?
  4. Sind die OEM und Zulieferer bereit neue, deutlich über die heutigen Verflechtungen hinausgehende strategische Allianzen und/oder Übernahmen einzugehen? Um am Ende in der in den kommenden Jahren erwarteten Konzentrationswelle gestärkt überleben zu können?
  5. Wie mutieren OEM und Zulieferer in der neuen Wettbewerbslandschaft rund um Mobilitätslösungen, auch im Gemenge mit den Internetriesen? Wie sehen die neuen Rollenverteilungen aus?
  6. Wird die Finanzkraft der OEM und Zulieferer, respektive der erwarteten neuen (Konzentrations-)Allianzen ausreichen, um es mit den heute scheinbar übermächtigen Internetgiganten (Amazon, Google, Apple) dauerhaft erfolgreich aufnehmen zu können?
  7. Sind auch die europäischen Staaten bereit, zügig und nachhaltig die erforderlichen ordnungspolitischen Rahmenbedingungen zu schaffen und aufrecht zu erhalten, um dem anstehenden industriellen Transformationsprozess in Europa ein innovatives, wettbewerbsfähiges und planbares Umfeld zu bieten?
  8. Was konkret haben europäische Wirtschaftspolitiker aus der verfehlten Industriepolitik vergangener Dekaden gelernt? Als man heute Milliarden Euro schwere Technologiebereiche und ganze Industriesegmente wie die Mikroelektronik, Leiterplatten-, Display- und Batterietechnologie kurzsichtig, falsch oder gar nicht unterstützt hat. Technologien, die in der E-Mobility und beim autonomen Fahren mit als Schlüsseltechnologien gelten.

Für die europäischen OEM und Zulieferer bleibt nicht mehr viel Zeit den bereits in vollem Gange befindlichen Wandel der neuen Mobilität proaktiv und am Ende erfolgreich zu gestalten!

Vorschau:

In rund 2 Wochen erscheint der letzte Beitrag: „Maschinenbauer inmitten dieses disruptiven Umfelds“.

Lassen Sie uns den bisher sehr konstruktiven Austausch über dieses Top Thema proaktiv fortsetzen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch weiterhin stets gutes Gelingen.

Ihr
Eckhard Hörner-Marass
2H.IM Executive Interim Management GmbH

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