Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 5

Beitrag 5 – Quo Vadis EU – Initiativen zum Aufbau von Batteriekompetenz in Europa

Auch dieser Fachbeitrag wird wieder von einem am 18.01.2019 erschienenen Handelsblatt Artikel hervorragend unterstützt.
Dort heißt es:

„Mit dem Werk einer Schweizer Rohstofffirma hat Deutschland schon vier Fabriken für Batteriezellen in Planung. Um den Anschluss noch zu schaffen, muss es laut Experten nun zügig vorangehen.“

Über die Dringlichkeit bei Entscheidungen und die erforderliche Geschwindigkeit in deren Umsetzung in Kernfragen der E-Mobility haben wir in den vergangenen 4 Beiträgen immer wieder ausführlich gesprochen.

Die Ziele des Pariser Klimaabkommens setzen Länder weltweit unter Druck. Insbesondere da die aktuellen Zwischenbilanzen für 2025 vielfach massive Abweichungen prognostizieren. In der Konsequenz ziehen die unterstützenden Nationen des Abkommens die Daumenschrauben an. Dies tut auch die EU mit ihrer neuesten Zielvorgabe zur CO2 Reduktion bis 2030.

Oliver Wyman zeigt dies in der Mitte 2018 erschienenen Studie „FAST 2030“ nochmals deutlich. Die nachfolgende Übersicht der „weltweiten Regulierungsmaßnahmen mit direktem und indirektem Einfluss auf die E-Mobility“ veranschaulicht dies über die 3 Markteinführungsperioden Aktivierung, Penetration und Etablierung von elektrifizierten Antriebssträngen.

Auch die Europäische Kommission hat die Handlungsnotwendigkeit erkannt und nicht nur durch stringentere CO2 Reduktionsvorgaben reagiert.

Sowohl in der Forschungs- und Wirtschaftspolitik als auch bei den Fördermaßnahmen wurden Korrekturen vorgenommen und die Weichen neu gestellt.

Die wichtigsten Hauptmaßnahmen in der EU:

„Europe on the Move“.
Ein Aktionsprogramm, mit welchem die Europäische Kommission im Mai 2017 Maßnahmen für saubere, wettbewerbsfähige und vernetzte (connected) Mobilität forciert und unterstützt.

„Horizon 2020” – Arbeitsprogramme 2018 – 2020.
Unter dem Kürzel “FET” (Future and Emerging Technologies) fördert die Europäische Kommission im Zeitraum 2018 – 2020, innerhalb des Industrieförderprogramm „Horizon 2020“, insbesondere nationale und regionale, kurz- und mittelfristige Programme zur Forschung und Entwicklung von Batterie Technologien. Technologien die auf europäischer Ebene und im Strategieplan für Energietechnologie (SET) vorgesehen sind.
Fördervolumen > 100 Mio. €.

Europäische Batterie Allianz (EBA)
Diese Maßnahme wurde im Oktober 2017 durch Maros Sefcovic, Vice President for Energy Union, der Europäischen Union initiiert. Mit dem Ziel, Europa zur führenden Region im strategischen Bereich der Forschung und Entwicklung von Batterietechnologie und deren Fertigung auf- und auszubauen. Mit nachhaltigen Batteriezellen als deren Kerntechnologie.

In seinem Zwischenbericht vom 15. Oktober 2018 stellt Maros Sefcovic in Berlin vor Vertretern von Politik und Industrie fest:

„Batterien werden für die Automobilindustrie des 21. Jahrhunderts genauso wichtig sein, wie es der Verbrennungsmotor im 20. Jahrhundert war. Wenn die EU ihre Führungsrolle in der Automobilbranche, aber auch in sauberen Energiesysteme beibehalten möchte, müssen wir über unabhängige Kapazitäten verfügen, um Batterien entwickeln und produzieren zu können.“

„Den verfügbaren Prognosen zufolge könnte alleine der europäische Batteriemarkt ab 2025 jährlich 250 Mrd. € betragen. Um alleine die Nachfrage in der EU zu decken, bedarf es einer konservativen Schätzung zufolge mindestens 20 Giga Fabriken (Großanlagen für die Herstellung von Batteriezellen) in Europa.“

1) Das European Institute of Innovation and Technology (EIT), InnoEnergy, hat innerhalb eines Jahres in Europa in diesem Bereich ein Netzwerk von mehr als 260 Teilnehmern aus Forschung und Industrie aufgebaut. Diese Stakeholder decken die gesamte Wertschöpfungskette für PKW Batterien ab.

2) Auf der Batterie Fertigungsseite werden folgende Leuchtturm Projekte und Akteure genannt:
a) Im Bereich der Batterie Materialien: Umicore, BASF, Solvay
b) Batterie Zellen:

  • Northvolt (52,5 Mio. € Fördergelder) mit dem Aufbau einer Zellfertigung in Schweden. Mit bis zu 32GWh in 2023.
  • BMW + Northvolt + Umicore für die gesamte Wertschöpfungskette vom Rohstoff bis zum Batteriepaket.
  • Saft + Solvay + Umicore + Manz zur Entwicklung und Herstellung von Batteriezellen bis zum Batterie Pack.
  • Siemens mit der digitalen Produktion.
  • FAAM (Italien) und MES (Tschechien) zum Aufbau von Energiespeicher Fabriken

3) Laut Sefcovic hat die Europäische Union mit der Implementierung der folgenden Kernmaßnahmen begonnen:

a) Regulatorische Rahmenbedingungen werden bis Anfang 2019 verabschiedet.

b) In der EU sollen Kapazitäten für die Exploration, Extraktion und das Recycling von Rohmaterial für Batterien aufgebaut werden.

c) Zur Förderung der überregionalen Zusammenarbeit zwischen den EU Ländern wurde Ende Oktober 2018 eine Kommission unter Führung der Slowakei installiert.

d) Zur Förderung von Entwicklungsanstrengungen wird Ende Januar 2019 aus dem Programm „Horizon 2020“ ein Fördervolumen in Höhe von 114 Mio. € zur Verfügung gestellt. In 2020 sollen weitere 70 Mio. € hinzukommen.

e) Der Aufbau von Wissen und Kompetenzen im Bereich „Batterie und Elektro Mobility“ wird über die Erasmus Programme gefördert.

Bundeswirtschaftsministerium (BMWI)

Bereits Mitte November 2018 hat Minister Altmaier eine Milliarde Euro für eine Batteriezellenfabrik in Aussicht gestellt.
Verhandlungen mit möglichen Konsortien wurden angestoßen.
Hier werden Namen genannt wie BASF, Varta, Ford, VW, BMW. Mehrere Bundesländer (darunter NRW, Niedersachsen, B-W, Saarland, Sachsen, Brandenburg und Sachsen-Anhalt) haben Interesse angemeldet als Standort für solche Giga Fabriken.

Bundesforschungsministerium (BMFT)

Die Batteriespezialisten BMZ Group, Custom Cells Itzehoe, EAS Batteries, Leclanché und Liacon beteiligen sich an einer Initiative des Bundesforschungsministeriums (BMBF), um eine „Forschungsfertigung Batteriezelle“ (FFB) zum Aufbau einer industriellen Fertigung von Lithium-Ionen-Zellen zu etablieren.

Das BMFT bündelt die Aktivitäten rund um das neue Projekt unter seinem Dachkonzept „Forschungsfabrik Batterie“ und hat zugesagt, in den kommenden vier Jahren weitere 500 Millionen Euro zu investieren, „um die technologische Souveränität Deutschlands in der Batterietechnologie zu sichern“. Das Geld solle der gesamten Wertschöpfungskette – von der Materialforschung, der Konzeption von Zellen und Prozessen bis zur Produktionsforschung und industriellen Batteriezellfertigung – zugute kommen. Bei der „Forschungsfertigung Batteriezelle“ geht es, der Auffassung von Ministerin Anja Karliczek vor allem darum, den Transfer von neuen Batteriekonzepten und Produktionsverfahren in die Praxis zu beschleunigen. Zudem hätten Unternehmen die Chance, ihre Batteriekonzepte auf Massenfertigungstauglichkeit zu prüfen.

Reaktionen und aktueller Marktstatus:

Viele Jahre herrschte Stille, wenn es um das Thema einer eigenen Batteriezellenfertigung in Deutschland und Europa ging. Neben dem oben erwähnten Northvolt Standort in Schweden häufen sich die Ankündigungen für den Standort Deutschland in den vergangenen Monaten.

Vier Konsortien haben konkrete Pläne für den Bau von Zellfabriken in Deutschland angekündigt:

  1. Blackstone, Schweiz, will 200 Millionen Euro in ein Werk in Niedersachsen investieren.
  2. CATL, China, möchte in 2019 für 240 Millionen Euro eine Zellfabrik in Erfurt bauen.
  3. Die BMZ Group in Karlstein möchte mit dem Start-up TerraE bis 2020 für 120 Millionen Euro eine Zellfabrik errichten.
  4. Varta plant gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut eine Fertigungslinie für großformatige Batteriezellen in Ellwangen, Baden-Württemberg, zu investieren.

 

 

 


Die Aufholjagd ist eröffnet!
Gutes Gelingen für alle Vorhaben in Europa zum Wohle der deutschen Automobilindustrie, des damit verbundenen Maschinen- und Anlagenbaus, und der hunderttausenden von Arbeitsplätzen die von  diesem Erfolg abhängen.

Freue mich auf einen weiterhin konstruktiv kritischen Austausch, mit praktikablen, ganz pragmatischen Handlungsansätzen als Ergebnis. Die individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein müssen.

Ihr
Eckhard Hörner-Marass
2H.IM Executive Interim Management GmbH

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