Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 3

Beitrag 3 – Dieselkrise und die Beschleunigung der E-Mobility

Einstimmen möchte ich wiederum mit einem Beitrag aus dem Handelsblatt vom 18.12.2018 unter der Überschrift:

Die neuen CO2-Vorgaben sind die letzte Chance für die Autobauer

„…Die Autohersteller halten sich mit Kritik an den EU-Vorgaben auffällig zurück. Sie wollen sich der neuen Realität stellen – VW verschärft bereits den Umbau. Autokonzerne müssen jetzt neu planen…“

Der Beschleunigungsprozess in der E-Mobilität durch die Dieselkrise begründet sich im Wesentlichen wie folgt:

1) Nach dem offiziellen Bekanntwerden der Manipulationen der Abgaswerte durch VW Ende 2015 ist der (altbekannte) Hauptschuldige für die Stickoxid Emissionen in Deutschland schnell nochmals bestätigt.

Der Verkehr trägt einen Anteil von nahezu 40% bei (siehe nachfolgendes Bild).

2) Diese auf der Pariser Klimakonferenz 2015 bereits bekannte Tatsache wird durch die Abgasmanipulationen nochmals verstärkt. Insbesondere der Diesel Motor rückt in ein negatives Licht, wodurch sich der Handlungsdruck auf die Automobilhersteller massiv erhöht.

Die deutschen Premium Marken Hersteller trifft es besonders hart. Sowohl durch den hohen Flottenanteil von großvolumigen SUV, als auch den dort verbauten Dieselmotor ist der Flottenverbrauch zwischenzeitlich eher noch gestiegen, als dass er sich entsprechend den EU Vorgaben und der eigenen Ziele reduziert hätte.

Lange wird das Bild geprägt von versuchten Dementi, grotesken Pro-Diesel Kampagnen und damit ein hilfloses Klammern an eine alte Technologie. Mit der Absicht, die vorhandenen Produktionsstätten bei den OEM und deren Zulieferern so lange wie möglich auszulasten.

Die deutschen Hersteller verschwenden sehr lange wertvolle Ressourcen wie Personal und Kapital. Der Diesel verliert stetig  Marktanteile und fällt in Deutschland bei den Neuzulassungen von über 50% im November 2015 auf mittlerweile unter 30% im September 2018 (siehe nachfolgendes Bild).

Elon Musk und die chinesischen Hersteller von EV Fahrzeugen setzen in der selben Zeitspanne alle ihre wertvollen Ressourcen zur Lösung ihrer Start-up Probleme ein. Um die neue Antriebstechnologie (BEV und PHEV/HEV) rasch tauglich zu machen für die Massenproduktion.

Zur Unterstützung werben sie erfahrene PKW Experten überwiegend von den deutschen Premium Herstellern ab. In engem Schulterschluss mit den für die Elektro Mobilität erforderlichen neuen Schlüssellieferanten aus Asien. Durch massive Investitionen in die Herstellung von Batteriezellen, -modulen und ganzen Batterie Pack Systeme konnten sich diese für die OEM unterdessen unentbehrlich machen.

3) Der politische Druck in Deutschland steigt in den vergangenen Jahren massiv.

Die Bundesregierung muss sich zum einen eingestehen, dass die selbst gesteckten CO2 Ziele 2020 nicht erreicht werden können. Dies wird sowohl in den europäischen „Brown to Green Reports“ der international anerkannten Organisation Climate Transparency, als auch in den „Klimaschutzberichten“ des BMU der Jahre 2017 und 2018 bestätigt.

Zum anderen wird in den Ergebnissen der Landtagswahlen in Bayern und Hessen immer stärker die umweltbewußtere Einstellung der Bevölkerung und deren Erwartungen im Hinblick auf die zukünftige Mobilität deutlich. Insbesondere in den Ballungsgebieten.

Die Entwicklungen bei der Einschränkung, respektive  dem Verbot von Diesel PKW in deutschen Städten, haben den Druck auf die Politik nochmals massiv erhöht. Bestätigt und legitimiert durch jüngste Gerichtsurteile zur Einhaltung der EU weit gültigen Luftreinhaltungsgesetzte (siehe nachfolgendes Bild).
4) Eine Befragung von über 1000 Autofahrern ab 18 Jahren in Deutschland im März 2018 mit der Frage: „Hat der Diesel noch eine Zukunft“, ergibt nachfolgendes Bild:

  • 50% würden beim nächsten Kauf einen Benziner wählen.
  • 20% einen Hybrid- (PHEV/HEV) oder rein Batterie (BEV) betriebenen PKW.
  • 13% nur noch einen PKW mit Diesel Motor.

5) VW als Auslöser des Dieselskandal verschärft den Umbau.

Der VW Vorstand hat vor wenigen Tagen bestätigt, dass im Jahr 2026 letztmalig ein Verbrennungsmotor entwicklungstechnisch überarbeitet werden wird. Man darf sich die Frage stellen, wie sich ein Verbraucher beim Autokauf verhält, wenn man ihm eine „alte Technologie“ verkaufen möchte, die vom Hersteller ausdrücklich langfristig nicht mehr weiter gepflegt werden wird?

Der VW Vorstandsvorsitzende ergänzt, dass man aufgrund der nunmehr nochmals verschärften Vorgaben der EU Kommission bzgl der angestrebten Emmissionsreduktion bis 2030 „…der Anteil von Elektroautos auf über 40 Prozent steigen müsse. Möglicherweise müssten weitere Verbrenner-Angebote entfallen, damit verbunden die Werksstrukturen deutlicher umgebaut und zusätzliche Batteriezellfabriken gebaut werden…“.

Bis zum Jahr 2025 müsse VW über 20 elektrifizierte Modelle im Portfolio haben, und im Rahmen dieser Modelloffensive noch massiver als heute auf modulare Baukastenstrukturen und damit verbundene Marken übergreifende Synergien und Skaleneffekte setzen.

Fazit:
Zur Aufholjagd ist geblasen, jetzt heißt es „just do it“ und zwar konsequent und schnell!

Sollte die Dieselkrise die deutschen OEM aus ihrer Komfortzone herausgeholt, ihnen die Augen für die Zeitenwende in der individuellen Mobilität endgültig geöffnet, und die damit dringend verbundenen Transformationsmaßnahmen im internationalen Wettbewerb aufgezeigt haben, dann ist dies das Positive für den Standort Deutschland und die Arbeitsplätze die an dieser Schlüsselindustrie in unserem Lande hängen!

Gemäß dem griechischen Sprichwort:
„Es gibt nichts Schlechtes, an dem nicht auch etwas Gutes ist.“

Vorschau:
In rund 2 Wochen erscheint der Beitrag:
„Asiaten dominieren Lithium-Ionen Batterietechnik.“

Freue mich auf einen weiterhin konstruktiv kritischen Austausch, mit praktikablen, ganz pragmatischen Handlungsansätzen als Ergebnis. Die individuell auf das jeweilige Unternehmen zugeschnitten sein müssen.

Wünsche Ihnen ein friedliches, besinnliches Weihnachtsfest im Kreise Ihrer Familie, ein paar ruhige und erholsame Tage zwischen den Jahren, sowie einen guten Rutsch ins neue Jahr 2019.

Ihr,
Eckhard Hörner-Marass
2H.IM Executive Interim Management GmbH

2 Gedanken zu „Antrieb im Wandel – E-Mobility – Beitrag 3“

  1. 1. Als Besitzer eines nicht nur unter CO2 – Gesichtspunkten optimalen Diesels sehe ich mich erst einmal als von der Politik um 10.000 EURO Wertverlust enteignet, so wie 11 Mio. andere Dieselbesitzer im Lande auch.
    2. Als ehemaliger Projektleiter eines Elektroantriebsherstellers und gf eines Stromnetzbauers kenne ich aus der Praxis alle Probleme und Grenzen der „E – mobilität“. Bisher hat noch niemand alle diese Aspekte ganzheitlich bewertet – wirtschaftlich und vor allem ökologisch.
    3. Wir sollten uns viel mehr überlegen, ob es grundsätzlich richtig ist, 1,5 bis 2,5 Tonnen Material zu bewegen, um 80 kg Biomasse (= den Fahrer, der meist allein im Auto sitzt) von A nach B zu bewegen.
    4. Die ganze Diskussion um die Zukunft des PKW läuft ansonsten auf dem höchsten Jammerniveau der Industriestaaten. Was passiert eigentlich, wenn irgendwann mindestens 1,5 Mrd. Menschen in den Dritt- und Schwellenländern ihr Recht auf individuelle Mobilität wahrnehmen wollen ?

    1. Hallo Herr Mätzel,
      ganz herzlichen Dank für Ihre fachkundigen Kommentare zum aktuellen Beitrag.
      Zu Ihren Punkten im Einzelnen:
      1. Stille Enteignung
      Richtig und gleichzeitig erfreulich, dass auch der deutsche Verbraucher nunmehr zumindest die Möglichkeit hat, sich einer „Sammelklage light“ (Musterfeststellungsklage) anzuschließen, um sein Recht durchzusetzen.
      2. Ganzheitliche Betrachtung
      In meiner Beitragsankündigung am 24.10.18 habe ich versucht die von Ihnen zu Recht angemerkte und erforderliche Ganzheitlichkeit aufzugreifen. Dort verweise ich auf einige aktuelle Studien zum Thema. In diesen Studien wird das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet, und die Zielsetzungen ergänzen sich meines Erachtens. Gerne tausche ich mich hierzu mit Ihnen ausführlicher aus, indem wir die Vielzahl der vorhandenen Untersuchen durchleuchten.
      3. Aufwand-/Nutzenrelation
      Sobald sich die Technologien und die Infrasturktur für das autonome Fahren als auch die E-Mobility auf einem technisch/wirtschaftlich ausgereiften Niveau befinden, werden wir hier in Zukunft deutlich positive Veränderungen erfahren. Davon bin ich als wirtschaftlich denkender Ingenieur überzeugt. Bis dahin müssen die Angebote der heute verfügbaren öffentlichen Verkehrmittel mit höherer Priorität Verbraucher freundlicher gestaltet werden.
      4. Wohlstandssteigerung in Drittländern
      Wenn man heute z.B. China und Indien bereist erkennt man schnell, welch riesige Herausforderungen die individuelle Mobilität mit sich bringt. China geht das Thema m.E. richtig und konsequent an. Auch in Deutschland gibt es in Sachen „Mobilitätskonzepte in Ballungszentren“ bereits sehr intelligente Ansätze, wenn man sich z.B. das „e.Go Konzept“ in NRW einmal genauer anschaut.

      Wünsche Ihnen frohe und friedliche Weihnachten, und freue mich auf den weiterhin konstruktiv kritischen Austausch.

      Beste Grüße,
      Eckhard Hörner-Marass

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